Some emotional transitions - Leise Übergänge und fragile Zwischenzustände
Manchmal sind es die feinen, oft übersehenen Verschiebungen, die unsere Wahrnehmung der Welt und unserer selbst grundlegend verändern. In der Galerie Fenna Wehlau öffnet sich mit der Ausstellung Some emotional transitions ein Raum für genau diese leisen Übergänge und fragilen Zwischenzustände. Sheila Furlan und Margit Hartnagel werfen aus einer dezidiert weiblichen Perspektive einen Blick auf das, was jenseits der Oberfläche liegt, und laden dazu ein, den Wunsch nach Eindeutigkeit gegen ein langsames, spürendes Wahrnehmen einzutauschen.
Sheila Furlan nutzt die fragile Transparenz von Organzaseide, um das Wesen von Formen wie flüchtige Kokons im Raum festzuhalten. Ihre handgenähten, zarten Leitern sind dabei keine Werkzeuge für einen physischen Aufstieg, sondern Symbole für eine Metaebene, die es erlaubt, Emotionen für einen Moment zu entlassen und Abstand zu gewinnen. Mit Nadel und Faden fängt sie den Rhythmus des Atems oder den Nachklang alter Melodien ein, wobei Licht und Schatten als Mitautoren fungieren und die Werke in eine kaum greifbare, immaterielle Ebene verlängern. Stärke zeigt sich in ihrem Werk nicht durch Schwere, sondern durch eine poetische Unfassbarkeit.
Margit Hartnagel antwortet dieser Zartheit mit einer Malerei von bemerkenswerter existenzieller Kraft. Sie gießt Pigmente in selbst hergestellter Weihrauchmilch auf die Leinwand, sodass die Farbe mit dem Träger verschmilzt und ein vibrierendes Feld aus oszillierenden Lichtpunkten erzeugt. Diese Arising Colors markieren ein künstlerisches Erwachen und verwandeln den Bildraum in einen pulsierenden Lichtraum, der von innen heraus zu leuchten scheint. Als erdendes Gegenüber dienen ihre keramischen Gefäßobjekte: Sie sind bewusst leer und thematisieren gerade durch dieses Fehlen eine tiefe spirituelle Suche und Sehnsucht.
Das Zusammenspiel der beiden Positionen schafft ein vielschichtiges Spannungsfeld zwischen Materie und Empfindung, in dem Verletzlichkeit und Klarheit vollkommen selbstverständlich nebeneinander bestehen. Some emotional transitions verspricht kein abgeschlossenes Narrativ, sondern macht den Schwebezustand zwischen Kontrolle und Offenheit als produktiven Raum des Fühlens und Sehens erfahrbar. Es ist eine Ausstellung, die dazu auffordert, das Tempo zu drosseln und die Schwingungen zwischen den Dingen wieder bewusster wahrzunehmen
Some emotional transitions | Sheila Furlan · Margit Hartnagel
16. Januar bis 5. März 2026
Galerie Senna Wehlau | Amalienstr. 24 und 21 | 80333 München
Dienstag bis Freitag 13–18 Uhr, Samstag 13–16 Uhr