Floating Through Fragments – Die Meisterschüler Dresdens in Hamburg
Der Übergang von der Kunsthochschule in ein Leben als freie Künstler ist selten ein sanfter. Umso bedeutender sind Ausstellungen, die diesen Moment ernst nehmen. In der Drewes Galerie in Hamburg sind noch bis zum 18. Februar neun Absolventinnen und Absolventen der Universität Dresden zu sehen, die ihr Diplom bereits abgeschlossen haben.
Die größte Präsenz im Raum gehört Misato Takakura. Vom Boden bis zur Decke ziehen sich unter anderem eine aus Keramik gefertigte Girlande, in jedes der Glieder ist eine Jahreszahl gestempelt. Dazu verteilen sich, auf der Wand und dem Boden, einzelne Luftballons. Sie bestehen aus Porzellan und scheinen alle aus unterschiedlichen Zeit-Sphären zu stammen – mal ganz prall, dann schlaff und klein, einer noch gar nicht aufgepustet. Hinter der Arbeit versteckt sich Takakuras Frage: Warum feiern wir eigentlich Geburtstag und damit das neue Lebensjahr? Warum nicht die Jahre, die vergangen sind und die man bereits gemeistert hat?
Zeit spielt allgemein eine zentrale Frage in ihren Werken. So auch in der Spiegelarbeit im großen Raum der Galerie Drewes. Die Puzzleteilchen, die dort auf einer Spiegelfläche liegen, bilden verschiedene Ebenen, die gleichbedeutend mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind. Eine Verdeutlichung dessen, dass kein Moment allein im Hier und Jetzt steht. Schließlich ist Vergangenes gerade erst geschehen und hallt noch nach und die Zukunft klopft bereits an.
Einen anderen Zugang wählt Tom Freytag. Er arbeitet mit Fundstücken, die er so bearbeitet, dass sie sich ihrer ursprünglichen Funktion entziehen. Im Falle von (B)Engel, dem Werk, das als eines von vieren in der Drewes Galerie zu sehen ist, erzeugte er eine beinahe glänzende Keramik-Oberfläche. Thematisch verarbeitet der Künstler Dinge aus seinen persönlichen Erfahrungen. In (B)Engel und Mosaik Eins transportiert er queeres Leben und zeigt damit eine große Selbstverständlichkeit für offen gelebte und kommunizierte Sexualität.
Anastasia Schneider bleibt bei der Malerei. Ihre Serie Reality? ist in Galerie ähnlich gehängt wie zuvor in ihrer Diplompräsentation. Rund 20 kleinformatige Bilder zeigen Szenen aus ihrem Leben. Menschen tauchen darin auf, Freund:innen, manchmal sie selbst, doch im Zentrum stehen nicht die Porträts, sondern die Augenblicke, die sie festhalten. Es sind flüchtige Situationen und Begegnungen, die weniger erzählen als andeuten.
Es ist keiner gemeinsamer Stil, den Floating Through Fragments zeigt. Auch kein gemeinsames Thema. Was die insgesamt neun Künstlerinnen und Künstler aber verbindet, ist ihre Vielfältigkeit und der Anfang, an dem sie aktuell stehen. Und die Auswahl, die die Galerie für die Ausstellung getroffen hat, macht auf ihre Weise deutlich, wie vielversprechend die Künstler von morgen sind.
Floatings Through Fragments
15. Januar – 18. Februar 2026
Drewes Galerie | Brandshofer Deich 52 | 20539 Hamburg
Donnerstag und Freitag 12-18 Uhr, Samstag nach Vereinbarung