Blickwechsel - Alex Feuerstein und Eglė Otto in der Galerie Burster


EGLĖ OTTO Loreley Nr. 2, 2018, Oil on canvas, 190 x 160 cm


Was wir sehen, wenn wir vor einer Leinwand stehen, ist oft nur das Echo unserer eigenen Erwartungen. In der aktuellen Ausstellung Blickwechsel in der Galerie Burster unterlaufen Eglė Otto und Alex Feuerstein diese gewohnte Sicherheit. Ihre Arbeiten verweigern sich der schnellen Interpretation und fordern stattdessen einen Blick, der bereit ist, seinen festen Standpunkt aufzugeben. Hier wird die Malerei nicht als fertiges Ergebnis präsentiert, sondern als ein Zustand permanenter Bewegung.

Alex Feuerstein nutzt Holz als Widerstand für seine Malerei. Sein Prozess ist körperlich: Er schichtet Pigmente und Harze auf, nur um sie im nächsten Moment wieder abzuschleifen oder aufzukratzen. Was bleibt, sind Figuren in alltäglichen Momenten, die jedoch in instabilen Räumen gefangen scheinen. Diese Bilder verweigern eine lineare Erzählung. Vielmehr eröffnen sie Deutungsräume, in denen die Perspektive kippt und das Banale eine fast greifbare Spannung erhält. Das Werk entwickelt sich hier nicht nach einem Plan, sondern aus dem Material selbst heraus.

ALEX FEUERSTEIN o.T. (Raucherinnen) #2 , 2024, Oil, resin, pigment on wood, 143 x 104 cm

ALEX FEUERSTEIN o.T. (Raucherinnen) #1, 2024, Oil, resin, pigment on wood, 143 x 104 cm

Eglė Otto richtet den Fokus hingegen radikal nach innen. Der Körper ist in ihren Arbeiten allgegenwärtig, wird aber nie als bloßes Objekt vorgeführt. Farbe fungiert bei ihr als plastische Materie, die durch Überlagerungen und Kratzspuren eine eigene Körperlichkeit behauptet, ohne dabei Merkmale wie Geschlecht oder Alter festzuschreiben. Es ist ein feministischer Ansatz, der tiefer greift als bloße Repräsentation. Es geht um die Infragestellung dessen, wie wir Körper überhaupt wahrnehmen und welche Zuschreibungen wir unbewusst vornehmen.

EGLĖ OTTO Mutter, 2025, Oil on canvas, 130 x 107 cm

Beide Positionen verbindet ein radikales Vertrauen in den Akt des Malens. Jede Spur auf der Fläche ist eine Entscheidung, die im Dialog mit dem Bild getroffen wurde. Blickwechsel ist somit nicht nur der Titel einer Doppelausstellung, sondern die Aufforderung, die eigene Wahrnehmung als einen offenen und emotionalen Raum zu begreifen. In diesen Arbeiten findet man keine fertigen Antworten, sondern eine Einladung, die Widersprüchlichkeit des Sehens auszuhalten und darin eine neue Freiheit zu entdecken.


Alex Feuerstein | Eglė Otto - Blickwechsel
23. Januar – 28. Februar 2026

Galerie Burster | Markgrafenstraße 68 | 10969 Berlin
Donnerstag und Freitag 12-18 Uhr, Samstag 12-16 Uhr


Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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