Shifting the Silence – Die Stille verschieben


Etel Adnan, Untitled, 2010, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich © VG Bild-Kunst, Bonn 2025


Manche Ausstellungen lassen sich nicht einfach im Vorbeigehen konsumieren, sie fordern eine andere Art der Aufmerksamkeit. Im Münchener Lenbachhaus ist derzeit mit Shifting the Silence – Die Stille verschieben ein Projekt zu sehen, das den Kern unserer Kommunikation und die Schwierigkeit, Werke Bildender Kunst vollständig in Worte zu fassen und erfahrbar zu machen, hinterfragt. Es basiert auf dem intimen Spätwerk der 2021 verstorbenen Etel Adnan. Die libanesisch-US-amerikanische Künstlerin und Autorin widmete sich kurz vor ihrem Tod der Frage, wie wir das, was Worte oft trennen, wieder in Verbindung bringen können.

„Wortsprachen sind eine Falle, nicht wahr? Sie schufen Chaos und ließen uns in Inkohärenz versinken.“, so Etel Adnan.

Roméo Mivekannin, Homme Inconnu, c. 1830-1840, 2025, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Foto/Photo: Galerie Barbara Thumm

Nicole Wermers, Reclining Female #7, 2024, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München / Lenbachhaus Munich, Sammlung KiCo / KiCo Collection © Nicole Wermers

In den Räumen des Museums begegnet man einem philosophischen Vermächtnis, das weit über die rein optische Betrachtung hinausgeht. Adnan begriff Sprache oft als Hindernis oder gar als Falle, die uns in Inkohärenz versinken lässt. Erklären bedeutet, das Denken der Menschen zu blockieren – dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die Schau. Es geht um den Versuch, Kunstwerke zu versprachlichen, ohne sie ihrer Vielschichtigkeit zu berauben.

Die Kuration schafft einen Raum für freie Assoziationen und ein offenes Modell der Interpretation. Besonders deutlich wird dies in dem Bereich, der ganz Adnan gewidmet ist. Hier verschmelzen Wort und Bild zu einer Einheit, die das gesellschaftliche Verstummen herausfordert. Die Ausstellung feiert die Schönheit des Lebens und setzt sich gleichzeitig mit der Vergänglichkeit und der Frage auseinander, wie viel Gestern eigentlich im Heute steckt.

Wer durch die Räume wandelt, wird dazu eingeladen, die Grenzen des Sagbaren zu erweitern. Es ist eine Einladung, die eigene Stille zu verschieben und eine neue Form der Wahrnehmung zu finden, die sich der einfachen Definition entzieht.


Shifting the Silence. Die Stille verschieben
14. Oktober 2025 bis Frühjahr 2027

Städtische Galerie im Lenbachhaus | Luisenstraße 33 / 80333 München
Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr


Sandra Böhm

Sandra Böhm hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und schreibt als freie Autorin für verschiedene Lifestyle-Magazine. Eine weitere Passion ist die Kunst. Als Autorin für PAJO ONE lassen sich beide Vorlieben trefflich miteinander verbinden. 

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