Schiaparelli - Fashion Becomes Art


Kuba Dabrowski Awar Odhiang, Paris, 2025 Schiaparelli by Daniel Roseberry Schiaparelli haute couture fall winter 2024 © Kuba Dabrowski. Photo courtesy Patrimoine Schiaparelli, Paris


Shocking Life heißt die 1954 erschienene und sehr empfehlenswerte Autobiografie von Modedesignerin Elsa Schiaparelli. Das Gleiche ließe sich im besten Sinne von ihrer Arbeit behaupten. Auch über 70 Jahre später wirkt beides radikal. Ihr Werk ist von ähnlicher Signifikanz für die Modewelt wie das ihrer großen stilistischen Gegenspielerin Coco Chanel.

Nun zeigt das Victoria and Albert Museum in London die Ausstellung Schiaparelli: Fashion Becomes Art, die neben Mode auch andere Objekte des Multitalents präsentiert. Es wird ein Bogen von Kooperationen und über Generationen gespannt: von der Zusammenarbeit der Designerin mit Künstlern wie Cocteau, Picasso und Dalí bis hinein in die Gegenwart, in der der Amerikaner Daniel Roseberry die Geschicke des Hauses Schiaparelli lenkt.

Vogue 1940; Designer Elsa Schiaparelli wearing black silk dress with crocheted collar of her own design and a turban (Photo by Fredrich BakerCondé Nast via Getty Images)

In der Sainsbury Gallery des V&A begegnet man einer Frau, die das Unmögliche tragbar machte. Es ist die erste Schau dieser Art in Großbritannien, die das Erbe dieser visionären Unternehmerin in den Fokus rückt. Die Besucher erwartet eine Inszenierung von über 200 Objekten, die weit über klassische Roben hinausgehen. Neben selten gezeigten Couture-Stücken werden Accessoires, Schmuck, Gemälde, Fotografien und sogar Parfums ausgestellt, die Schiaparellis enorme schöpferische Kraft widerspiegeln.

Ein besonderes Highlight ist die Konfrontation mit ihren radikalsten Entwürfen, die aus dem direkten Dialog mit den Größen des Surrealismus hervorgingen. Wer vor dem Skelett-Kleid, dem Tränen-Kleid oder dem humorvollen Schuh-Hut steht, erkennt die subversive Energie, mit der Schiaparelli die Pariser Modewelt herausforderte. Die Kuratoren beleuchten zudem erstmals detailliert ihre Londoner Dependance sowie ihre Beiträge für Theater- und Filmproduktionen, was das Bild einer Designerin zeichnet, die Mode stets als Teil einer größeren Performance verstand.

COLLARLESS JACKET AND HAT WITH BUTTERFLY TRIMMINGS, BRITISH VOGUE, 15 MARCH 1937. PHOTOGRAPH BY HORST P. HORST. Horst P. HorstConde Nast via Getty Images

Schiaparelli by Daniel Roseberry Long sheath gown, Matador Couture collection Haute couture fall-winter 2021–2022 Wool crepe. Gilded brass necklace adorned with rhinestones in the shape of lungs. Patrimoine Schiaparelli, Paris

Evening coat, designed by Elsa Schiaparelli and Jean Cocteau, 1937, London, England © 2025 ADAGP DACS Comite Cocteau, Paris. Photograph © Emil Larsson

Vogue 1936; Two models wearing dresses by Schiaparelli (Photo by Cecil BeatonCondé Nast via Getty

Der Rundgang schließt mit der heutigen Ära unter der kreativen Leitung von Daniel Roseberry. Seine skulpturalen Entwürfe greifen Schiaparellis furchtlose Ästhetik auf und führen sie konsequent in die Gegenwart. Diese Ausstellung ist eine seltene Gelegenheit, die Arbeit einer Frau zu erleben, die Mode konsequent als Kunstform interpretierte und bis heute als eine der mutigsten Stimmen der Designgeschichte gilt.


Schiaparelli: Fashion Becomes Art
28. März bis 8. November 2026

Victoria and Albert Museum South Kensington / Cromwell Road / London, SW7 2RL
Täglich 10-18 Uhr

Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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