Queen Elizabeth II – Her life in style
Sieben Jahrzehnte lang war Queen Elizabeth II die meistfotografierte Frau der Welt. Was hinter all diesen Bildern steckte, zeigt eine Ausstellung in der The Kings Gallery im Buckingham Palace und beweist, dass Mode und Macht nie wirklich zu trennen sind.
Welche Entscheidungen. Welche Kalkulationen. Welche Freude an Farbe, Schnitt und Stoff. Queen Elizabeth II: Her Life in Style, die größte Modeausstellung, die je einer Monarchin gewidmet wurde, gibt darauf Antworten. Mehr als 300 Objekte aus dem persönlichen Modearchiv der Königin sind in der King's Gallery des Buckingham Palace versammelt — mehr als die Hälfte war noch nie öffentlich zu sehen. Das Ergebnis ist kein Schaulaufen. Es ist ein Porträt.
Das beginnt bereits bei der Kindheit. Zu den Highlights, die erstmals gezeigt werden, zählt das historische Taufkleid, winzige Ballettschuhe, ein Feenkostüm und goldene Lamé-Kleider, die Couturier Jeanne Lanvin für Prinzessin Elizabeth und ihre Schwester Margaret anfertigte, komplett mit passenden Outfits für ihre Puppen. Daneben, als stiller Kontrast, tieftonige Samtmäntel von Norman Hartnell aus den späten 1940er Jahren — der Moment, in dem die Prinzessin beginnt, sich modisch in eine öffentliche Rolle zu verwandeln.
Dann das Hochzeitskleid von 1947. Hartnells Entwurf, bestickt mit Sternblumen und Ähren in Silberfaden, ist längst ikonisch. Aber erst vor dem Original begreift man, was an diesem Stück wirklich außergewöhnlich ist: die schiere Handwerksleistung, die in jeder Naht steckt. Daneben, erstmals gezeigt, die Perlenketten der Königin Caroline und Königin Anne, Hochzeitsgeschenke ihrer Eltern, sowie das Diamant-Fransendiadem Queen Marys, das die Mutter der jungen Braut für diesen Tag lieh. Mode und Dynastiegeschichte, kaum voneinander zu trennen.
Das emotionale Gravitationszentrum der Ausstellung aber ist das Krönungskleid von 1953. Hartnell entwarf es als Manifest einer neuen Ära: elfenbeinfarbene Seide, bestickt mit den Nationalblumen aller Länder des Commonwealth. Was damals als politisches Statement in Stoff übersetzt wurde, ist heute ein Kunstwerk. Erdem Moralioglu, einer von drei zeitgenössischen Designern, die mit eigenen Stücken in der Ausstellung vertreten sind, referenziert die walisische Lauchstickerei dieses Kleids in seiner Frühjahr/Sommer-Kollektion 2018. Eine der elegantesten Verbeugungen, die das britische Mode-Establishment je vollzogen hat.
Auch Richard Quinn und Christopher Kane sind vertreten: Quinn zitiert spielerisch ihre Freizeit-Ästhetik über Seidenscarves, Kane subvertiert die vermeintliche Bravheit königlichen Dresscodes durch sein Markenzeichen-Neon. Diese drei Positionen machen aus der Retrospektive etwas Selteneres — den Beweis, dass der Einfluss Queen Elizabeths auf die britische Mode 2022 nicht endete.
Eines der überraschendsten Kapitel widmet sich dem Alltag hinter den Staatsgewändern. Zum ersten Mal überhaupt werden Stücke aus der privaten Garderobe gezeigt: tadellos geschnittene Reitkleidung, Tweed-Ensembles, wetterfeste Jacken von Burberry. Dazu die Accessoires, die zum Markenzeichen wurden: Launer-London-Handtaschen, Seidenscarves, transparente farbgefasste Regenschirme, die sicherstellten, dass kein Wetter je ein Outfit verdeckte. Mode als konsequentes System, nicht als Laune des Tages.
Besonders aufschlussreich sind die nie zuvor gezeigten Archivalien: Entwurfsskizzen, Stoffmuster, Rechnungen, handschriftliche Korrespondenz zwischen der Königin und ihren Couturiers. Auf einem Hartnell-Entwurf für ein silbernes Lamé-Kleid. Ursprünglich für einen Staatsbesuch in Paris 1972 gedacht, findet sich eine Notiz in ihrer eigenen Handschrift: „Opening parliament Canberra". Das Kleid wurde einfach wiederverwendet. Für eine Frau, die als Symbol für Exzess und Pracht galt, ein verblüffend pragmatischer Zug.
Unvergesslich bleibt das Stück, das wohl die meisten Besucher zum Lächeln bringt: das Kleid, das Queen Elizabeth für ihren legendären Auftritt mit Daniel Craig bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 trug — erstmals ausgestellt neben dem speziell angefertigten Duplikat für ihr Stunt-Double. Die strukturellen Anpassungen, die den dramatischen Fallschirmsprung ins Stadion ermöglichten, sind sichtbar. Queen Elizabeth II hatte Humor. Auch das war eine Entscheidung.
Queen Elizabeth II: Her Life in Style
10. April bis 18. Oktober 2026
The King’s Gallery, Buckingham Palace | Buckingham Palace Road | London
Donnerstag bis Montag 10-17.30 Uhr