Liquid Times – Storytelling vom Feinsten
Manche Künstler schaffen es, mit ihren Arbeiten das Kino im Kopf anzuwerfen. Sie wirken wie ein Impuls, der dafür sorgt, dass sich die Betrachter eigene Geschichten ausmalen, sie weitererzählen und mit eigenen Erfahrungen füllen.
In der Galerie Carolyn Heinz sind aktuell zwei solcher Künstler vertreten. José Carlos Izquierdo ist einer von ihnen. Er arbeitet aktuell in erster Linie mit schwarzer Tusche und zeichnet damit abstrakte Strukturen, aus denen sich figürliche oder gegenständliche Sachen entwickeln. Oft sind sie mit Feder oder Fineliner gezeichnet und so fein, dass es eine Weile braucht, bis man sie entziffert hat.
Wobei – so ganz entziffern kann man sie vermutlich nie. Dafür bestehen sie aus viel zu vielen kleinen Einzelheiten, die manchmal komplett abstrakt bleiben, dann aber wieder in Gegenständen oder Figuren enden. Den Worten der Galeristin Carolyn Heinz nach geht es ihm um ein unbestimmtes Gefühl vom Chaotischen, das sich zwischendurch erst ordnen und dann wieder im Chaos abtauchen kann.
Neben vielen kleinformatigen Arbeiten hängen auch zwei größere, etwas ältere Arbeiten von José Carlos Izquierdo in der Galerie. Eines davon erinnert unwillkürlich an Bruegels weltberühmten Turmbau zu Babel. Nur das Izquierdo im Gegensatz zu ihm kein Streben nach dem „guten Ort zum Leben“ ausdrückt, sondern vielmehr ein Gleichnis für die Wohnungsnot in seiner Heimat Barcelona darstellt.
Seinen Bildern stehen die Werke des Braunschweiger Künstlers Lars Eckert entgegen. Wirken sie auf den ersten Blick fast noch fotorealistisch, erkennt man beim Näherkommen schnell: Hier geht einiges vor sich und mit der Realität hat das nichts zu tun. Mit ihrer kühlen Farbwelt und den undurchdringlichen Motiven wirken sie nicht nur düster, sondern sorgen mit ihrer apokalyptischen Atmosphäre fast schon für Gänsehaut.
Seine Motive stellt Lars Eckert aus einem großen Fundus eigener Fotografien und gesammeltem Bildmaterial digital zusammenund setzt sie dann in Malerei um. Auch er arbeitet mit Tusche, was bedeutet, dass wirklich jeder gesetzte Strich auch bleiben muss und nur durch eine weitere Schicht verändert werden kann. Eben diese Setzung aus mehreren Schichten macht aber auch die Spannung der Bilder aus.
Für Eckert ist, das Erzählerische an seinen Bildern essenziell. Trotzdem möchte er den Betrachter damit nur einen Anreiz liefern und ihnen quasi den Einstieg in die Bildwelt erleichtern. Wie die Geschichte dann aber weitergeht und endet, das ist jedem selbst überlassen.
Liquid Times - Lars Eckert | José Carlos Izquierdo
20. März bis 11. April 2026
Galerie Carolyn Heinz | Klosterwall 13 | 20095 Hamburg
Dienstag bis Freitag 14-18 Uhr, Samstag 12-16 Uhr