Eisfeld II - Olaf Nicolai im Palazzo Diedo

Art

Olaf Nicolai, Eisfeld II. Installation view, December 2025, Palazzo Diedo, Berggruen Arts & Culture. Photo by Stefano Mazzola/Getty Images. Courtesy of Palazzo Diedo, Berggruen Arts & Culture, and the artist.


Wenn Venedig im Winter seine melancholische Pracht entfaltet, scheint die Zeit in den Kanälen stillzustehen. Doch im Palazzo Diedo, dem neuen Ausstellungsort der Berggruen Arts & Culture, bricht Olaf Nicolai pünktlich zum Jahr der Olympischen Winterspiele 2026 mit jeder Erwartung an die barocke Schwere. Inmitten des monumentalen Bankettsaals im ersten Stock, wo normalerweise opulente Fresken die Blicke nach oben ziehen, lenkt der Berliner Künstler unseren Fokus nach unten – auf eine hundert Quadratmeter weite, spiegelnde Fläche. Eisfeld II ist keine bloße Installation, sondern eine Einladung zur physischen Intervention.

Was auf den ersten Blick wie ein anachronistischer Fremdkörper in der venezianischen Pracht wirkt, entpuppt sich als hochgradig präzise Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart. Nicolai nutzt eine neue, nachhaltige Technologie, die Eis simuliert und ohne die ökologische Last herkömmlicher Kühlung auskommt. Wer die Fläche betritt, taucht in eine befremdliche Sinneswelt ein: Ein eigens komponierter Soundtrack bricht die Stille des Palazzo, während das Gleiten über die künstliche Oberfläche zur konzeptionellen Meditation gerät. Es ist die Reaktualisierung einer Idee, die Nicolai bereits 2001 im Zürcher Migros Museum präsentierte, hier jedoch durch den Kontrast zum historischen Raum eine neue, fast surreale Dringlichkeit erfährt.

Olaf Nicolai, Eisfeld II. Installation view, December 2025, Palazzo Diedo, Berggruen Arts & Culture. Photo by Stefano Mazzola/Getty Images. Courtesy of Palazzo Diedo, Berggruen Arts & Culture, and the artist.

Olaf Nicolai, ENJOY/SURVIVE I, 2001. Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig, Berlin. Photo by Uwe Walter.

An den Stirnseiten der Bahn setzen zwei Leuchtkästen den intellektuellen Rahmen für diesen sportiven Akt. Die Schriftzüge ENJOY und SURVIVE flackern als ambivalente Imperative über dem Geschehen. Sie markieren das Spannungsfeld, in dem wir uns täglich bewegen – zwischen dem Hedonismus des Augenblicks und der Notwendigkeit des Bestehens. Nicolai provoziert damit eine Debatte über die Rolle von Kulturinstitutionen: Der Palazzo wird vom Ort der reinen Betrachtung zum Raum der Erfahrung, in dem die Grenze zwischen Kunstgenuss und existenziellem Bewusstsein verschwimmt. In der Symbiose aus barocker Kulisse und kühler Abstraktion wird das Schlittschuhlaufen in Venedig zu einer der wichtigsten ästhetischen Erfahrungen dieses Winters.


Olaf Nicolai - Eisfeld II
13. Dezember 2025 bis 22. Februar 2026

Palazzo Diedo / Berggruen Arts& Culture /Fondamenta Diedo / Cannaregio 2386, Venezia
Freitag bis Sonntags 15-19 Uhr


Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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