Angelica Blechschmidt – In The Archives


Marina Abromovic Ausstellung bei carla, Oktober 1996 © Archive Angelica Blechschmidt


„Ich gestehe, ich bin eine Paparazza, seit Jahren gehe ich zu keinem Event ohne meine kleine Olympus Kamera. Mich faszinieren die Sekundenbruchteile, die so zufällig wirken, und dabei so typisch, einmalig und verräterisch sind wie ein Fingerabdruck.“ Diese Worte von Angelica Blechschmidt aus der Vogue Januar Ausgabe 1994 bilden den perfekten Auftakt für eine Reise in ein Archiv, das bis zum 16. Juli im Auktionshaus Grisebach unter dem Titel Angelica Blechschmidt - In The Archives zu entdecken ist.

Lange bevor das Smartphone zum Standardwerkzeug wurde, dokumentierte Blechschmidt ihr Leben zwischen Front Row, Backstage und Redaktionsalltag mit ihrer kleinen analogen Kamera. Was für sie ein Mittel war, um mit dem Wahnsinn der Modewelt fertig zu werden, erschließt sich heute aus 180.000 Negativen als ein hochspannendes Zeitdokument.

Kristen McMenamy, nach Dior Show, September 1995, Paris © Archive Angelica Blechschmidt

Der Fokus der Ausstellung liegt bewusst nicht auf ihrer Arbeit als Chefredakteurin der deutschen Vogue, sondern auf der sehr persönlichen Perspektive ihrer Aufnahmen. Die Besucher sind eingeladen, den Blick durch ihre Linse auf eine vergangene Ära einzunehmen. Die Auswahl an Runway, Backstage und Party Fotografien offenbart eine ungefilterte Atmosphäre der neunziger Jahre und unterstreicht ihre Gabe, die Essenz der Industrie einzufangen.

“Wir haben uns bewusst für die Zusammenarbeit mit Grisebach entschieden, weil uns der Anspruch an Qualität und die Liebe zur ungewöhnlichen Fotografie als Zeitdokument verbindet. Wir wollen die Besucher:innen einladen, Blechschmidts Perspektive einzunehmen. Es ist kein distanziertes Betrachten, sondern ein unmittelbarer Blick durch ihre Linse auf eine vergangene Ära.”, so Kirsten Landwehr & Alexandra Bondi de Antoni, vom Archive Angelica Blechschmidt.

Angelica Blechschmidt at her Hotel in Monte Carlo during Festival of Photography,1993 © Archive Angelica Blechschmidt.tif

Donatella Versace, Kristen McMenamy, Edgar Otte and unknown men on the left at Donnatella’s home, which was just renewed by herself and her brother Gianni, Mailand 1996 © Archive Angelica Blechschmidt

Für die Villa Grisebach geht es dabei nicht um eine nachträgliche Veredelung zur Kunst, sondern um den dokumentarischen Wert und die bis heute spürbare Relevanz dieses Nachlasses. Diandra Donecker und Dr. Anna Ballestrem sehen in der Schau zudem eine Verneigung vor einer Haltung, die unter Blechschmidt stets für Freiheit stand: ein Geist, der mit der Gründung des Auktionshauses 1986 und der Idee eines offenen Europas korrespondiert.

.Angelica Blechschmidt hat Mode zeitlebens als Gesamtkunstwerk begriffen und Talente wie Jil Sander gefördert, während sie ihre Leser:innen gleichzeitig mit drängenden Themen wie Klimawandel oder Kinderarmut konfrontierte. Die Ausstellung ist eine seltene Gelegenheit, diese facettenreiche Visionärin hinter ihrer Kamera neu zu entdecken.

Im Rahmen der Zusammenarbeit ist zudem ein limitiertes T-Shirt entstanden, das eine Fotografie von Model Esther De Jong zeigt, Backstage im Musée Rodin, vor der Chanel Couture Show Fall/Winter 1997/98. Erhältlich für 69 € vor Ort bei Grisebach, im Chateau Royal und über Archive Angelica Blechschmidt Instagram.


Angelica Blechschmidt – In The Archives
26. Juni bis 16. Juli 2026

Grisebach | Fasanenstraße 25 | 10719 Berlin
Montag bis Freitag 10-18 Uhr


Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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