Studio Berg - Wenn das Dessert zur Skulptur wird


Jello, Studio Berg © Anne Deppe


Man könnte beim ersten Hinsehen fast schwören, das instabile Zittern eines Wackelpuddings wahrzunehmen. Friederike Delius hat für ihr Label Studio Berg einen Weg gefunden, genau diesen flüchtigen Moment der Bewegung in mundgeblasenes Glas zu bannen. Es ist eine bewusste Verschiebung der Wahrnehmung: Ein banales Küchenutensil gibt die Form für ein Luxusobjekt vor und erhebt das Triviale in den Stand der angewandten Kunst. Mit ihrer Kollektion Jello gelingt der Designerin ein Kunststück, das die Nostalgie des Sonntagsdesserts in die kühle Welt des anspruchsvollen Designs überführt – weg von der glatten Perfektion, hin zu Objekten mit Seele und Humor.

Jello, Studio Berg © Anne Deppe

Jello, Studio Berg © Anne Deppe

Der Ursprung dieser gläsernen Skulpturen liegt in der Zweckentfremdung historischer, teils über einhundert Jahre alter Puddingformen aus Kupfer und Glas. In den Glashütten des Bayerischen Waldes wird die glühende Masse direkt in diese Relikte bürgerlicher Küchenkultur geblasen. Ein gewagtes Spiel mit den Elementen, da die Gussformen nie für die extreme Hitze der Glasherstellung konzipiert wurden.

Doch genau hier entsteht die Magie: Das Material schmiegt sich in die barocken Rundungen und Rillen, die einst Gelatine ihre Struktur gaben. Die resultierenden Cloches und Gefäße täuschen eine haptische Sanftheit vor, die im krassen Widerspruch zur harten Realität des Glases steht. Es ist eine textile, beinahe essbare Anmutung, die in Nuancen wie zartem Rosé, Bernstein oder tiefem Saphirblau zum Leben erwacht und die barocke Opulenz alter Desserttafeln in eine zeitgenössische Formsprache übersetzt.

Dass jedes Stück ein Unikat ist, liegt in der Natur des handwerklichen Verfahrens. Kleine Einschlüsse oder minimale Abweichungen in der Glasstärke sind Zeugnisse eines Prozesses, der die Tradition deutscher Handwerkskunst ehrt und die oft sterile Strenge modernen Designs bricht.

Jello, Studio Berg © Anne Deppe

In einer Welt, in der Design oft zwischen strengem Minimalismus und dekorativem Überfluss schwankt, besetzt Studio Berg eine charmante Nische der Irritation. In den eigenen vier Wänden fungieren die Jellos weniger als Gebrauchsgegenstände, sondern als kleine, subversive Statements. Sie inszenieren den Akt des Verdeckens und Enthüllens neu, sei es für Pralinen oder zur Aufbewahrung von Schmuck. Friederike Delius beweist einmal mehr, dass Design am stärksten ist, wenn es unsere Erwartungshaltung herausfordert


Studio Berg

Jello, verschiedene Formen und Farben - ab 224 Euro

www.studioberg.de


Anne Harting

Chefredakteurin und Herausgeberin

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